Klan - Winterseite


 

Klan – das sind die Brüder Stefan und Michael, die in einem sächsischen Mini-Dorf, welches im Prinzip nur aus den zwei Straßen "Winterseite" und "Sommerseite" besteht, aufgewachsen sind.
Sehr früh hat die Leidenschaft zur Musik ein Weg in das Leben der Beiden gefunden. An der Gitarre zieht Stefan mit verschiedenen Bands durch die Clubs, während Michael sich vorerst mit dem Hören von Musik begnügt und Medizin studiert.
2016 beschließen sie gemeinsam Musik zu machen und finden ihren Stil zwischen urbanem Pop-Sound, Indie und Fragmenten elektronischer Musik. Dazu kommen kritische Texte über Politik, Gesellschaft und Umwelt.

 

Nach ihrem Debütalbum „Wann hast du Zeit?“, das 2018 erschien, haben sich die Brüder Heinrich nun etwas Besonderes ausgedacht. 2020 erscheinen zwei EPs, benannt nach den Straßen ihres Dorfes, die sich mit den Jahreszeiten an sich, aber auch den damit verbundenen Gefühlszuständen auseinandersetzen.

 

Teil 1, das Halbum (halbes Album) Winterseite erschien am 21. Februar und wir haben reingehört:

 

 

„Beim ersten Mal tuts weh, beim zweiten Mal okay, beim dritten Mal uh Baby Baby“

 

Das Album startet mit Baby Baby, ohne Frage dem besten Song, um die Platte zu eröffnen. Hier geht es um die Überwindung Dinge zu tun, die erstmal unangenehm oder auch schmerzhaft sein können, aber im Nachhinein für Befreiung sorgen. Begleitet wird der realistische Mutmacher von Synthie Pop Elementen, die zum Mitsingen und Tanzen auffordern.

 

Weiter geht es mit Bei dir, einer Liebeserklärung, welche die Vorteile des Zusammenseins aufzeigt; denn egal wo man ist „am Besten geht es mir hier bei dir“. Auch der zweite Titel wird durch einen schnellen und prägnanten Rhythmus vorangetrieben.

 

„Ich lauf nicht mehr hinterher, ich bin es wert“

 

Fan handelt von Bewunderung, aber beobachtet gleichzeitig auch den Erkennungsprozess des eigenen Werts und die damit verbundene Erkenntnis, sich nicht von anderen abhängig zu machen, beziehungsweise sich nicht verstellen zu müssen, um genug zu sein.

 

Mit diesem Song hat sich auch der Ton des Albums verändert. Ein bedrückenderer Sound macht sich breit und die Texte behandeln unter Anderem mit dem nachfolgenden Titel Scheisztag Ernüchterung und einen Anflug von Winter-Depression – dennoch mit einem funken Hoffnung und der Versprechung, dass es okay ist, auch mal durchzuhängen und nicht mehr weiter zu wissen.

 

„Wir sind wie Kinder, wenn wir streiten, dass wir uns lieben ist doch klar – doch Liebe liegt dem Hass so nah.“

 

Genauso kommen auf Tut mir leid alltägliche Konflikte und die zeitweise schwierigen Phasen in Beziehungen zwischen Geschwistern, in denen Liebe und Hass so nah beieinander liegen, zur Sprache; begleitet von wütenden und powervollen Gitarrensounds.

 

Danach folgt Auf der Winterseite, ein kurzer Monolog über den Patenonkel Hansi, der auf der Winterseite gewohnt hat. Hier wird leider nicht klar, was Klan mit dieser Anekdote ausdrücken wollte, die etwas orientierungslos und nichtssagend auf der EP daherkommt.

Allerdings tut das dem Gesamtbild keinen nennenswerten Abbruch, da mit dem nächsten Titel Gleichzeitig die Reise weitergeht und die EP wieder ihre vorherige Stärke erlangt. Verträumter Sound begleitet hier die „Suche nach der Balance“ zwischen Gegensätzen und dem Druck, nicht genug Zeit zu haben, alles auszuprobieren.

 

Abgeschlossen wird die Winterseite mit Nie gesagt, einem emotionalen Song über Stagnation und das Zerbrechen einer Beziehung, in die sich zu schnell hineingestürzt und daher zu wenig über die wichtigen Dinge gesprochen wurde. Die schonungslose Offenheit zum Ende überrascht und lässt den Hörer mit einem angenehmen Gefühl von Bedrücktheit zurück.

 

 

Im Vergleich zu dem vorangegangenen Album, sind Michael und Stefan zwar weiterhin kritisch in ihren Texten, allerdings konzentrieren sie sich dieses Mal mehr auf die eigene Gefühlswelt und Beziehungen zu anderen, aber auch sich selbst.
Der musikalische Teil wirkt aufs erste Hören schlichter und zurückhaltender, bringt dadurch jedoch einen stärkeren Fokus auf die Texte, die ganz konsequent von den konstanten Rhythmen vorangetrieben werden.


Abschließend kann man sagen, dass zwischen Debütalbum und „Winterseite“ bei beiden Brüdern eine stark erkennbare künstlerische Entwicklung stattgefunden hat, welche den Songs einen noch persönlicheren Touch verleihen.


Wir sind gespannt auf Teil 2 und die Live-Umsetzung auf der kommenden Tour.

Albumcover Winterseite (c) Klan
Albumcover Winterseite (c) Klan

Foto im Header: Dorothea Dittrich


(c) Leonie Kupferschmidt, Februar 2020